Die Geschichte des AZN ist die Geschichte eines Ortes im Wandel. Was heute ein Gelände für Naturerleben, Umweltbildung und nachhaltiges Lernen ist, war früher Steinbruch, Betriebsfläche und technischer Standort. Schritt für Schritt entstand daraus ein Ort, der bis heute weiterwächst.
Auch der Name des AZN hat sich im Laufe der Zeit verändert: In den Anfangsjahren stand die Abkürzung zunächst für das Ausbildungszentrum der Naturschutzjugend. Später kamen neue Vereinsstrukturen und weitere Namensentwicklungen hinzu – die Abkürzung „AZN“ blieb dabei erhalten.
Vor der AZN-Zeit
In den 1970er Jahren wurde der Basaltsteinbruch am Heideberg bei Kirtorf wegen Unrentabilität aufgegeben. Der Ort verlor damit seine ursprüngliche Nutzung – und wurde gerade dadurch offen für etwas Neues. Noch war nicht abzusehen, dass aus dem ehemaligen Steinbruchgelände einmal ein Lern- und Naturraum mit besonderem Charakter werden würde. Die nebenstehenden Aufnahmen stammen aus der frühen Zeit des Steinbruchs in den 1930er Jahren.
1986: Die Idee entsteht
Im Oktober 1986 wurde das Steinbruchgelände durch die Untere Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises einstweilig sichergestellt. Das ehemalige Verwaltungsgebäude war zu dieser Zeit Clubhaus des Motorradclubs „Eagles“, der Steinbruch diente als Übungsgelände für Moto-Cross-Maschinen. Nach einer Demolierung im Winter 1985/86 stand das Gebäude leer.
In dieser Situation entstand die Idee, hier ein Ausbildungszentrum der Naturschutzjugend einzurichten. Die ersten Gespräche wurden mit dem damaligen Eigentümer geführt, der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie (MHI). Damit begann die Entwicklung eines Ortes, dessen Zukunft nun nicht mehr im Abbau, sondern im Naturschutz liegen sollte.
Eine bis heute gern erzählte Anekdote berichtet, dass Dolf Böhm eigens in die CDU eingetreten sei, um den damaligen Bürgermeister Ulrich Künz endgültig von der Idee eines Naturschutzstandorts zu überzeugen. Andernfalls, so heißt es augenzwinkernd, wären dort vielleicht Tennisplätze entstanden.
1987: Verhandeln, aufräumen, umbauen
Nach zähen Verhandlungen zeichnete sich 1987 ab, dass das Gebäude mit dem umliegenden Gelände vom Vogelsbergkreis zu einem Vorzugspreis erworben werden konnte. Eine zentrale Bedingung war, dass das Areal ausschließlich für Naturschutzzwecke genutzt werden durfte.
Die NABU-/DBV-Gruppe Kirtorf erklärte sich bereit, das Gebäude zu renovieren und dort ein Ausbildungszentrum der Naturschutzjugend einzurichten. Gleichzeitig wurde mit dem Wasserwirtschaftsamt über den Anschluss an das Kanalnetz verhandelt. Daraus entwickelte sich der Entschluss, eine Schilfkläranlage zu bauen; 70 Prozent der Kosten übernahm das Land Hessen. Zusätzlich war eine Regenwassernutzungsanlage vorgesehen.
Im Sommer wurden die Fenster verkleinert, die Kellerfenster mit Glasbausteinen versehen und das Transformatorenhaus des früheren Steinbruchbetriebs mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer demontiert. Die Stahlbleche wurden später zu Fensterläden zugeschnitten.
Ende November schoben Räumpanzer der Pioniereinheit aus Stadtallendorf die Schotterflächen an der ehemaligen Brecheranlage ab. Kirtorfer Landwirte nutzten das Material zur Ausbesserung der Feldwege. Außerdem wurde das gesamte Gelände entrümpelt – ein ganzer Container mit Sperrmüll kam dabei zusammen.
1988 und 1989: Aus einer Idee wird ein Ort
Anfang März 1988 kaufte der Vogelsbergkreis das Gebäude und das Gelände. Kurz darauf besichtigte ein Vertreter der Stiftung Hessischer Naturschutz das entstehende Ausbildungszentrum und bestätigte dessen Förderungswürdigkeit.
1989 brachte ein gemeinsamer Spendenaufruf sowie Anträge bei der Stiftung Hessischer Naturschutz und beim Land Hessen die erfreuliche Summe von fast 89.000 DM ein. Damit war eine wichtige Grundlage geschaffen, um das Vorhaben weiter auszubauen.
In diesem Jahr wurde die Schilfkläranlage gebaut und die Teiche wurden angelegt. Wenig später entstand auch die Streuobstwiese. Damit bekam das Gelände jene Strukturen, die seinen besonderen Charakter bis heute prägen: aus einem ehemaligen Betriebsort wurde schrittweise ein Natur- und Lernraum.
To be continued …